Bericht über
die Weidener Wasserballer

in der Donnerstags-Ausgabe des "Neuen Tag"


Nachdem am Dienstag ein Reporter der Zeitung "Neuer Tag" bei den Weidenern im Training war, erschien in der Donnerstags-Ausgabe des "Neuen Tag" folgender Bericht:

Eine Frühschicht vor Mathe und Latein 
Ausgeschlafene Kerle: SV-Wasserballer starten in die Regionalliga-Saison - Absolut jüngstes Team

Weiden. (mr) Die Frühschicht am Mittwoch beginnt um sechs Uhr. Vor dem Pauken in Mathematik oder Latein gibt's noch Tipps für Taktik und Technik. Während am Beckenrand Mitarbeiter der Weidener Thermenwelt alles für den Badebetrieb herrichten, trainieren die Wasserballer des SV schon fleißig. "Bis um halb acht geht die Trainingseinheit", erzählt Trainer Irek Luczak, "die Jungs frühstücken noch gemeinsam, danach geht's ab in die Schule. Der Trainer geht danach seinem Job bei Glas Zange in Weiden als Bautechniker nach. 

Die Wasserballer sind also recht ausgeschlafene Kerle. Das wollen sie auch wieder in der am Samstag beginnenden Regionalliga-Saison beweisen. Zum Auftakt (18.30 Uhr) erscheint WV Darmstadt in der Thermenwelt. In der vergangenen Spielzeit erreichten die Oberpfälzer als Aufsteiger Rang sechs. "Wenn sich die anderen nicht besonders verstärkt haben, könnte sogar ein Platz unter den ersten drei drin sein", sagt der 37-jährige gebürtige Pole, der vor 14 Jahren nach Deutschland kam. Und das Unternehmen geht er mit einer Mannschaft an, die ein Durchschnittsalter von gerade einmal 18 Jahren hat. Als Stärken sieht Luczak die Defensive. "Die Verteidigung steht schon sehr gut, aber wir machen noch zu wenig Tore." Auch das wird versucht, in den wöchentlich zuletzt vier Trainingseinheiten im Wasser abzustellen. Dazu kommt für die Jungs noch zwei Mal pro Woche Training im Fitnessraum. Ein Wahnsinnsprogramm, sollte man meinen. "Eigentlich ist das noch zu wenig", entgegnet Luczak. 

Dabei strebt der SV nicht mit Gewalt den Aufstieg in die zweite Liga an. "Das hat ja was mit dem Finanziellen zu tun, man braucht Sponsoren undsoweiter." Gewarnt sind sie beim SV allemal. Vor zehn Jahren spielte die Mannschaft auch in der Regionalliga, die damals sogar noch die zweite bundesweite Spielklasse war. Doch es war kaum mehr Nachwuchs vorhanden. Das Team zerbröselte. 

Irek Luczak wurde damals Abteilungsleiter: "Meine erste Entscheidung war, die Mannschaft zurückzuziehen." Der SV setzte fortan konsequent auf die Jugendarbeit. Und das macht sich bezahlt. Mehr als 80 Jungs und ganz vereinzelt auch Mädels spielen in den acht Jugendmannschaften. Der SV Weiden gehört im Jugendbereich zur Spitze Deutschlands. Nur ein Erfolg: Der dritte Platz der B-Jugend vor kurzem bei den deutschen Meisterschaften in Hamm. Zudem steht Luczaks Sohn Bartek in der deutschen Juniorennationalmannschaft, Florian Bronold und Christian Meßner in der Jugendnationalmannschaft, Dominik Fries gehört dem Förderkader an. Die Spieler zögen voll mit, Motivationsprobleme bei den Jungs, die ja auch teilweise in einem schwierigen Alter sind, gebe es keine, sagt Luczak. "Sie halten auch voll zusammen." 

Der Trainer selbst gibt für den Sport alles. "Wasserball ist nicht nur eine Sportart für mich, es ist mein Lebensinhalt. Das weiß auch meine Frau Mirka", sagt er schmunzelnd. Beide hatten sich damals in Polen kennen gelernt, als Irek Wasserball-Nationalspieler war. "Meine Frau weiß, dass ich ohne Wasserball unerträglich wäre." Etwa 70 Länderspiele absolvierte er, war Europameisterschaftsteilnehmer 1985 in Bulgarien. Mit seinem Klub Stilon Gorzow holte er neun Landestitel. 

Vielleicht spielt einer seiner Schützlinge auch mal um den nationalen Titel. Zutrauen würde er es einigen. Die Jungs sind auf jeden Fall eifrig. Luczak: "Einige haben nachgefragt, ob wir nicht auch am Freitag um sechs Uhr morgens trainieren könnten."

entnommen aus der Donnerstags-Ausgabe des "Neuen Tag"