Herren
Zeitungsartikel aus "Der Neue Tag" (17.11.2005)


Ausgeschlafen ins Zweitliga-Abenteuer
SV-Wasserballer starten in Laatzen - Irek Luczak und seine Jungs nahezu unter Profi-Bedingungen
Weiden. (mr) Sie wollen auf keinen Fall baden gehen: Am Samstag nehmen die Wasserballer des SV Weiden ihre erste Zweitliga-Saison in Angriff. Zum Auftakt geht die Reise zur SpVgg Laatzen nach Hannover. In dieser Woche hat die Mannschaft nochmals richtig rangeklotzt. Im Interview spricht Trainer Irek Luczak über seine Erwartungen, die Konkurrenz zu anderen Sportarten und seine ausgeschlafenen Jungs...

Die Wasserballer sind wohl das einzige Team in Weiden und Umgebung, das schon in aller Herrgottfrüh trainiert. Wie bringen Sie die Jungs jeden Mittwoch schon um sechs Uhr morgens ins Becken?

Luczak: Ob da alle Lust haben, wage ich zu bezweifeln. Vor allem nachdem sie schon am Dienstagabend Training hatten. Auch wenn sie nicht besonders begeistert kommen, im Laufe des Trainings legt sich das. Und dann sind alle froh, dabei gewesen zu sein.

Seit Ende August läuft die Vorbereitung. Wieviel Stunden haben ihre Jungs seitdem trainiert?

Luczak: So genau kann ich das jetzt nicht sagen: Aber ich rechne mal zusammen, was wir in der Woche machen. Da kommen sie schon im Schnitt auf zwölf bis 16 Stunden Training.

Wenn man die Trainingsintensität sieht, ist das fast Profisport?

Luczak: Man muss das langsam so betrachten. Wenn wir uns nicht professionell vorbereiten, würden wir bald ein Niveau haben, an dem es nicht weitergeht. Wir wollen uns einfach als Team entwickeln. Wir wollen den Jugendlichen Vorbild geben, ihnen zeigen, hier entwickelt sich etwas.

Wird speziell trainiert?

Luczak: In den Saisontrainingsplan habe ich zwei Spitzen eingebaut. Diese Spitzen wollen wir immer zu den wichtigsten Spielen erreichen. Wir haben zum Beispiel eine Heimspielserie im März, da wollen wir die erste Spitze erreichen. Und wir haben auch noch wichtige Spiele im Mai, Juni. Da soll die zweite Spitze kommen. Schnelligkeit und Wendigkeit werden kurz vor der Formspitze trainiert. Jetzt sind wir noch lange nicht soweit.

Drei Abgängen steht nur ein Neuzugang gegenüber? Sehen Sie da keine Probleme?

Luczak: Björn Koloseike ist zurück nach Augsburg, Florian Dachauer zum Studieren nach Hannover, Christian Mesner hat aufgehört. Wir haben mit Andreas Jahn nur einen Neuzugang. Das heißt für uns einfach, die Jugendarbeit weiter zu betreiben, um Ergänzungen zu bekommen. Die Jungen rücken schon nach. Wir haben vier 16-Jährige im erweiterten Kader. Die werden ihre Einsatzminuten bekommen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Zweitliga-Saison?

Luczak: Die ersten fünf steigen nach der Umstrukturierung nach dieser Saison in die erste Liga auf. Wenn wir unter den besten zehn im Zwölferfeld wären, wäre das in Ordnung. Dann wären wir auch im nächsten Jahr in Liga zwei. Freilich wäre die Chance da, auf Anhieb in Liga eins aufzusteigen. Aber man muss realistisch bleiben. Aber ich denke schon, dass wir mit dem ein oder anderen Spitzenteam mithalten können.

Wo sind die Stärken Ihres Teams, wo sind die Schwächen?

Luczak: Die Stärken sind sicherlich die Unbekümmertheit und die schwimmerischen Fähigkeiten. Probleme haben wir im Zweikampfbereich, da fehlt die Routine. Da fehlt die Schlitzohrigkeit von älteren Spielern.

Basketball boomt in Weiden, zum Eishockey gehen regelmäßig mehr als 1200 Zuschauer. Warum sollen die Leute zum Wasserball gehen?

Luczak: Die sollen kommen, weil es bei uns immer spannend ist und immer zur Sache geht. In der Thermenwelt kann man halt nicht so viele Leute unterbringen. Beim Bau des Bades hat keiner an den Sport gedacht. Wir haben keine Tribünen, helfen mit Gartenstühlen aus. Wir sind aber nicht neidisch auf die anderen Sportarten. Wir erkennen die Leistung der anderen an. Wir wissen aber auch, dass wir nicht weniger leisten.

Wieviel Fans erwarten sie pro Spiel?

Luczak: Ich sage mal, wenn wir 200 Zuschauer bekommen, sind wir zufrieden. Zuletzt waren es im Schnitt 100, 150. Aber wenn bei uns 100 Leute da sind, entwickelt sich in diesem Bad eine tolle Atmosphäre. Man hat das Gefühl wie in einer Halle mit 1000 Leuten. Die Zuschauer sitzen direkt am Wasser, sie müssen nicht über mehrere Reihen gucken. Das ist ein richtiges Liveerlebnis, da wird man auch schon mal mit Wasser voll gespritzt.
 


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